Aminosäuren

Aminosäuren

Aminosäuren nehmen wir durch den Verzehr von eiweißhaltiger Nahrung zu uns. Im Verdauungstrakt werden die Eiweißmoleküle zu Aminosäuren aufgespalten, aus denen dann der Organismus später in den Ribosomen (speziellen Zellkörperchen) wieder körpereigene Proteine aufbaut. Über 100 Aminosäuren sind nötig, um ein Protein zu bilden.
Proteine sind Strukturmaterial für Muskeln, Knochen, Sehnen und Bänder, für Haare, Zähne, Blut, Gehirn und andere Organe. Weiterhin dienen sie als Transporteure für lebenswichtige Substanzen.

Aminosäuren sind auch Bausteine von Hormonen und Enzymen. Alle 5000 bisher bekannten Enzyme sind Proteine. Sehr wichtig sind sie für das Immunsystem. Im Gehirn sind einige Aminosäuren entweder eigenständige Botenstoffe (Neurotransmitter) oder sie sind Ausgangsmaterial für Botenstoffe. Ein Leben ohne Aminosäuren ist nicht möglich, sie werden ständig gebraucht und auch verbraucht.

Es gibt 22 Aminosäuren, davon sind 8 essentiell (bei Säuglingen 10) d.h. sie müssen unbedingt mit der Nahrung von außen zugeführt werden. Die anderen kann der Organismus aus Produkten des Stoffwechsels selbst bilden, man bezeichnet sie als nicht essentielle Aminosäuren.

  • Zu den essentiellen Aminosäuren zählen: Isoleucin, Leucin, Lysin, Methionin, Phenylalanin, Threonin, Tryptophan, Valin, für Säuglinge noch Arginin und Histidin.
  • Nicht essentielle Aminosäuren sind: Alanin, Asparagin, Asparaginsäure, Cystin, Cystein, Glutamin, Glutaminsäure, Glycin, Hydroxyprolin, Prolin, Serin, Tyrosin.

Die Kombination und Ausgewogenheit der verschiedenen Aminosäuren, das „Aminosäurenprofil“, bestimmt die Qualität des Proteins. Bei einem Protein von bester biologischer Verfügbarkeit müssen alle essentiellen Aminosäuren vorhanden sein, ebenso ein ausgewogenes Verhältnis zwischen essentiellen und nicht essentiellen Aminosäuren. Liegt eine Aminosäure nicht in ausreichender Menge vor, kann die Wirkung der anderen durch diese „limitierende“ Aminosäure beeinträchtigt werden. „Komplette Proteine“ enthalten alle essentiellen Aminosäuren in ausreichenden Mengen. Hierbei sind Proteine tierischer Herkunft (Fleisch, Fisch) in der Regel „vollständig“ und besitzen eine höhere biologische Wertigkeit als pflanzliche Proteine. Die biologische Wertigkeit gibt an, wieviel Gramm Körpereiweiß durch 100 Gramm Nahrungseiweiß gebildet werden können. Pflanzliche Proteine sind oft „unvollständig“, ihnen fehlen dann eine oder mehrere Aminosäuren. Dies kann aber durch eine entsprechende Nahrungszusammensetzung, z.B. Getreide und Hülsenfrüchte oder Kartoffeln und Eier, ausgeglichen werden. Der Stoffwechsel von Proteinen und Aminosäuren wird fast ausschließlich über die Leber gesteuert. Hierzu werden viele Vitalstoffe wie z.B.Vitamin B6 benötigt. Die Ausscheidung findet über die Nieren statt.

Alle natürlichen Aminosäuren liegen in der L-Form vor, einer besonderen Konfiguration der Molekülstruktur. Aminosäuren können durch freie Radikale geschädigt werden. Ein Mangel an Aminosäuren macht sich bemerkbar durch allgemeine Schwäche, chronische Müdigkeit, mentale Störungen, Depressionen, Gehirnleistungsstörungen, verminderte Infektresistenz, schlechte Wundheilung sowie generell durch gesundheitliche Störungen und in eine Vielzahl von Krankheiten.
Bezüglich des Gehirns sind für die therapeutische Nutzung von Aminosäuren bestimmte Trägersubstanzen notwendig, die die Aminosäuren über die Blut-Hirnschranke transportieren (engl.: BBB = blood-brain barrier). Deren Kapazitäten sind beschränkt und jeder Träger kann nur eine bestimmte Klasse von Aminosäuren transportieren. Um diese Träger konkurrieren die einzelnen Aminosäuren. Werden beispielsweise Aminosäuren verschiedener Wirkung, aber derselben Klasse gemischt, konkurrieren diese Aminosäuren um die beschränkte Anzahl der Transportplätze. Dabei kommen starke und schwache Aminosäuren derselben Wirkung nur entsprechend ihrer Molekülanzahl durch. Effektiver ist es also, Aminosäuren derselben Wirkung, aber verschiedener Klassen zu mischen.

Hauptklassen:

Große Neutrale (engl. large neutrals)
Histidin
Isoleucin
Leucin
Methionin
Phenylalanin
Tryptophan
Tyrosin
Valin

Saure (engl. acidic)
Glutaminsäure
Asparaginsäure

Basische (engl. basic)
Arginin
Lysin
Ornithin

Kleine Neutrale (engl. small neutrals)
Asparagin
Glutamin
Prolin
Serin

nicht zugeordnet (engl. non-assigned)
Alanin
Cystin
Glycin
Taurin

Aminosäuren sollten auf nüchternen Magen bzw. unabhängig von proteinhaltigen Mahlzeiten eingenommen werden, damit die einzelne Aminosäure ihre besondere Wirkung entfalten kann und nicht in ein Becken mit anderen Aminosäuren fällt, aus denen nur wieder allgemeine Proteine aufgebaut werden. (Zur Erinnerung: Bei der
Verdauung werden Proteine in einzelne Aminosäuren zerlegt, aus denen körpereigene Proteine aufgebaut werden.)

Weiterführende Literatur zu Aminosäuren:

- Felicitas Reglin, Aminosäuren in der orthomolekularen Medizin, Ralf Reglin Verlag,
ISBN 3-930620-43-x
- Klaus Arndt & Thorsten Albers, Handbuch Protein & Aminosäuren, Novagenics
Verlag, ISBN 3-929002-32-9